Rituale und Traditionen in der Familie: Wie sie dein Haus in ein echtes Zuhause verwandeln
- Hanna

- 17. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Wie wir unser Haus mehr zu einem Zuhause machen, welche Fehler du dabei vermeiden solltest und mein Learning aus fast zwanzig Jahren Mamasein.

Ankommen nach vielen Umzügen: Warum sich Zuhause manchmal nicht sofort wie Zuhause anfühlt
Wenn man so oft umgezogen ist, wie wir - innerhalb von drei Jahren ganze dreimal -, dann fällt es schwer, sich immer wieder neu einzuleben. Und wieder. Und wieder. Das, was sich vielleicht gerade angefangen hatte wie Heimat und Heimeligkeit anzufühlen, wurde dann doch wieder in Kartons und Kisten verstaut, etikettiert und in die nächste Wohnung transportiert. Dort hieß es dann erneut schauen, wo kommen welche Möbel hin? Welche Bilder und Erinnerungsstücke können überhaupt wieder aufgestellt werden? Ach, für das von allen heißgeliebte Sofa ist ja in der neuen Wohnung gar kein Platz... hm. Da kommt nur schwer das wohlig-warme Zuhause-Feeling auf. So auch in unserem Haus. Dort wohnen wir nun gut ein Jahr. Beim Einzug war es noch eine totale Baustelle und auch jetzt gibt es an allen Enden und Ecken noch mehr als genug zu tun. Aufgaben und Projekte warten auf uns, die vorher nicht absehbar waren. Man kennt es ja: das berühmte Überraschungsei, das man mit einem alten Haus gleich mitkauft.
Warum Rituale und Rhythmen das Fundament für ein Zuhause sind
Trotzdem haben wir es als Familie doch immer noch irgendwie geschafft, in welcher Wohnsituation auch immer, uns den Kern dessen zu bewahren, was für uns "Zuhause" bedeutet. Dieses vertraute, immer gleich bleibende, wohin man jeden Tag gerne zurückkommt. Wie? Mit Rhytmen, Ritualen und kleinen Traditionen, die uns Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr begleiten. Das müssen nicht zwangsläufig große, aufwändige Dinge und Tätigkeiten sein. Das ist auch gar nicht der Sinn dahinter. Nein, vielmehr sind es die kleinen, oft simplen Sachen, die einen Wiedererkennungswert bieten und uns tragen, wenn's mal anstrengend ist. Oder herausfordernd in Kindergarten, Schule oder auf der Arbeit.

Wie Familientraditionen wachsen und Kinder nachhaltig prägen
Solche Rituale und Traditionen kommen natürlich nicht über Nacht. Die wachsen langsam wie ein Pflänzchen und gedeien, wenn man sie gießt. Lustigerweise sind es häufig diese Kleinigkeiten, an die sich unsere beiden (fast) Großen nun besonders gerne zurückerinnern. Oder die ihnen dann seeeehr wichtig sind, dass wir sie für die Jüngeren fortführen. Ich finde es auch total schön, mit anzuschauen, wie die Großen dann fragen, ob sie selber vielleicht das eine oder andere FÜR ihre kleinen Geschwister übernehmen dürfen, weil sie es als Kinder so sehr genossen haben.
Beispiele für einfache Rituale und Traditionen im Familienalltag
die brennende Kerze bei jedem Familienessen
der gemeinsame Kaffee/Kakao am Morgen auf der Couch
regelmäßige Spiele- oder Leseabende
der mit den Kindern gestaltete Jahreszeitentisch
Bücher, Gebasteltes und Deko, die jedes Jahr zu bestimmten Zeiten hervorgeholt werden
der Geburtstagszwerg
das besondere Essen zu Beginn und Ende der Ferien
der Fotokalender, den wir jedes Jahr herstellen
das Vorlesen am Abend (nicht nur für das kleinste Kind)
und viele, viele kleine Sachen mehr
Wenn ihr Interesse habt, dass ich mehr zu den einzelnen Punkten schreibe, lasst mir gerne einen Kommentar da, dann erkläre ich in separaten Beiträgen, was es z.B. mit dem Geburtstagszwerg auf sich hat.

Mein größtes Learning: Warum zu viele Rituale stressen können
Zum Schluss habe ich aber auch noch ein Learning für dich, wie man die Sache mit den Traditionen denn genau NICHT angehen sollte. ;) Was soll ich sagen? Ich war jung, hochmotiviert, hatte so ziemlich jedes Buch zu Familienfesten, Ritualen, Kleinkindpädagogik verschlungen... Das führte dazu, dass ich EINE MENGE an schönen Erinnerungen und liebgewonnenen Ritualen für meine ersten beiden Kinder schaffen wollte. Zum Beispiel haben wir damals jeden Abend zum Vorlesen (das ist ja bis heute gleich geblieben) eine Kerze angezündet. In einem schönen Halter. Mit einer jahreszeitlich passenden Kunstdruck-Postkarte darin.
Dann gab es das Goldtröpfen (die Waldorf-Eltern werden es kennen) für die Kinder. Ein traumhaft duftendes Pflegeöl - auch wechselnd Sommer/Winter. Dann gab es einen Reim, bei dem das Öl in Gesicht und Händen verteilt wurde. Dann gab es eine jahreszeitlich oder dem nächsten anstehenden Anlass entpsprechende Geschichte. Danach wurde auf Wunsch der Kinder das Schutzengel-Lied (wie im Waldorfkindergarten) gesungen. Und zum Schluss durften die Kinder im Wechsel mit einem schönen Kerzenlöscher aus Messing die Flamme ausmachen.
Puh! Das, sage ich heute mit etwas Abstand ehrlich, war zu viel und war für mich über die Zeit mehr Belastung, denn heimeliges Ritual. Und das ist ja nun so ziemlich das Gegenteil von dem, was man mit solchen Aktionen bewirken möchte. Klar, war es für die Kinder toll. Kinder lieben bekanntermaßen immer wiederkehrende Tätigkeiten, Lieder und verlässliche Wiederholung im Allgemeinen. Aber für die Kinder war es genauso in Ordnung, dass man das Abendritual mit der Zeit deutlich verschlankt hat und sich dafür alle - inklusive mir - wieder auf die gemütliche Kuschel- und Lesezeit als Abschluss des Tages freuen konnten.
Fazit: Mit kleinen Ritualen zu mehr Geborgenheit im Familienalltag
Rituale und Traditionen in der Familie machen das Jahr und das Zuhause erst so richtig rund, aber lieber kleine, simple Dinge aussuchen. Und diese dürfen sich über die Jahre entwickeln, sich verändern und mit den Kindern wachsen. Dann ist es für alle wieder mehr ein Schritt zu einem geborgenen Zuhause. 🤍


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