Bücher im Jahreslauf wechseln: So bereichert saisonales Vorlesen Familienalltag und Zuhause
- Hanna

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Warum Bücher wie Marzipankartoffeln sind und das Auswechseln im Jahreslauf für Vorfreude sorgt

Ich bin ehrlich: nicht nur beim vierten Kind kommt als Vorlesende*r durchaus manchmal ein Gefühl von "nicht DIESES Buch SCHON WIEDER" auf, oder? Einerseits freue ich mich natürlich, dass uns und mich persönlich manche Bücher schon praktisch mein ganzes Leben begleiten. Andererseits... begleiten sie mich eben schon mein ganzen Leben und mein Mama-Leben und ich habe sie - ohne zu übertreiben - Hunderte Male (vor-)gelesen. :) Ich liebe, liebe, lieebe Bücher. Ich liebe es, selber zu lesen, liebe es vorzulesen, liebe es, zu sehen, dass auch hier das Vorbild-Nachahmungsprinzip prächtig funktioniert. Insofern man als Eltern selber auch eher mal zur Lektüre als zum Smartphone greift.
Doch nach 20 Jahren Mamasein muss ich zugeben, möchte ich nicht immer die gleichen fünf Bücher zu jeder Zeit des Jahres lesen. Denn mit Büchern ist es doch wie mit Marzipankartoffeln (oder Kürbissuppe oder Erdbeerkuchen oder welches saisonale Essen du so richtig gerne magst): wenn du sie jeden Tag im Jahr, unabhängig von Jahreszeit, Wetter oder Anlass isst, verlieren sie irgendwann das Besondere. Das entsteht erst durch die künstliche Verknappung. Nur zu einer bestimmten Phase, nämlich der Advents- und Weihnachtszeit werden die köstlichen Bällchen serviert. Und dann, nach wenigen Wochen reicht es auch und man darf sich aufs nächste Jahr freuen, wenn es sie dann "endlich" wieder gibt.
Saisonales Vorlesen: Wie Bücher Atmosphäre im Zuhause schaffen
Auf die Bücher übertragen, ist es ziemlich genau das Gleiche. Das stimmungsvolle Buch mit Winterthema, Kaminfeuer und Schneegestöber liest sich bei 30 Grad Celsius im Hochsommer einfach nicht so gut, wie wenn man gemeinsam eingekuschelt unter der Flauschdecke auf dem Sofa sitzt. Zudem verliert sich das Besondere und die Vorfreude. Es entsteht Willkür und Langeweile, wenn zu jeder Zeit im Jahr das Selbe gelesen wird. Mit einer ganz simplen Gewohnheit, lässt sich das jedoch verhindern.
In unserer Familie hat es sich bewährt, die Auswahl der Bücher ein wenig zu kuratieren und sie etwas promineter zu präsentieren. Klingt aufwändig? Ist aber eigentlich ganz einfach und schnell gemacht:
Der Bücherkorb: Eine einfache Gewohnheit für mehr Struktur und Gemütlichkeit
Bei uns gibt es zum einen einen schönen Korb im Kinderzimmer, in den im Rotationsprinzip einige ausgewählte Bücher hineingestellt werden. Zum anderen haben wir im Wohnzimmer ein tolles, selbstgemachtes Bücherregal an der Rückseite der Küchentheke hängen. Auch dort wechseln wir den Inhalt regelmäßig. Selbstverständlich bleibt auch der Rest der "Hausbibliothek" frei zugänglich, aber eben ganz normal senkrecht, Rücken neben Rücken im Regal. Bei der Auswahl des Behältniesses oder Ortes kann man ruhig kreativ werden und das nutzen, was man eh schon da hat: eine schöne Box, eine Holzkiste, ein passender Korb oder ein bestimmter Abschnitt im Bücherregal sein.
Bücher im Jahreslauf organisieren: So wechseln wir unsere Auswahl
Den Inhalt des Korbes und des Hängeregals verändere ich teilweise jeden Monat, etwa in der Zeit von September bis Dezember, da dort jede Menge Feste und Ereignisse in kurzer Zeit folgen. Teilweise verändere ich den Inhalt nach Jahreszeit. Das ist zum Beispiel im Sommer der Fall. Da lesen wir dann eher viele verschiedene Bücher, die das Thema in verschiedenen Facetten behandeln.
So bleibt die Vorfreude und Besonderheit für die Kinder erhalten, außerdem können sie sich viel besser mit den Geschichten und Charakteren in den Geschichten identifizieren, fällt mir immer wieder auf. Und als Erwachsener bleibt's auch abwechslungsreicher. ;)
Manchmal fülle ich Korb und Hängeregal aber nicht nur nach saisonalen Themen, sondern auch nach dem, was uns gerade als Familie begleitet. Steht ein Geburtstag oder ein Urlaub bevor, wandern entsprechende Bücher in den Korb – einfach, um die Vorfreude ein bisschen wachsen zu lassen.
Und manchmal richtet sich die Auswahl auch ganz nach dem, was eines der Kinder gerade beschäftigt. Es gibt ja diese Phasen, in denen ein Thema plötzlich überall auftaucht und mit erstaunlicher Hartnäckigkeit den Alltag begleitet. Mal ist es der Weltraum mit all seinen Planeten, Sternbildern und Raketen. Mal die Tiefsee mit ihren seltsamen Wesen und verborgenen Welten. Dann wieder Freundschaft, Kindergarten, Schule oder all die großen und kleinen Fragen, die gerade bewegen.
Unser Zuhause bewusst gestalten – auch durch Bücher
Ich merke immer wieder, wie schön es ist, wenn Bücher genau dort andocken, wo im Kind ohnehin schon etwas in Bewegung ist. Geschichten werden dann nicht einfach nur vorgelesen. Sie greifen Gedanken auf, machen Mut, beantworten Fragen oder öffnen manchmal einfach nur ein kleines Fenster in eine Welt, die gerade besonders spannend ist. Vielleicht ist es genau das, was ich an dieser kleinen Tradition des Bücherauswählens so mag: Sie bringt nicht nur Abwechslung ins Regal, sondern spiegelt oft auch ein Stück von dem wider, was uns als Familie gerade beschäftigt.
Zwischen Alltag und Sehnsucht: Warum Ausnahmen erlaubt sind
Das alles bedeutet natürlich nicht, dass man NIEMALS ein Buch außer der Reihe lesen darf. Ab und zu träumen wir doch alle von lauen Sommerabenden, wenn es im November düster, kalt und nebelig ist. Aber auch diese Ausnahme sorgt für Besonderheit. 🤍


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